Abstract
“Agential realism denies the suggestion that our access to the world is mediated”, vermerkt Karen Barad in einer Fußnote zu Meeting the universe halfway. Barad setzt fort, dass es im Agentiellen Realismus keines Mediums mehr bedürfe, ob dies nun das Bewusstsein, die Sprache oder ein Äther wäre. Anders als es im obigen Zitat erscheint, argumentiert Barad also nicht gegen Medialität, sondern dafür, dass es in einem relationalen Materialismus keine ontologische Notwendigkeit für ein Medium gibt. Die Frage, die bei dieser Randbemerkung unbeachtet bleibt, ist, ob stattdessen eine Medialität ohne Medium denkbar wäre.
Während Barad im obigen Zitat, über Medialität eher hinwegfegt, als sich ihr als Problem zu stellen, schlage ich vor, dass das Verhältnis von Medialität und Materialität zu den zentralen und offenen Fragen des Agentiellen Realismus zählt. Das zeigt sich vor allem in Barads Verknüpfung von „materiell-diskursiv“. Dieser Zusammenzug, der in Barad theoretisch uneindeutig bis hin zu widersprüchlich bleibt, verdeutlicht, dass Barad nicht, wie z.B. von Christopher N. Gamble et.al. oder Rebecca Schneider argumentieren, alles als Materie betrachtet. Vielmehr bleibt eine Unklarheit bestehen, die zwar davon ausgeht, dass Materie und Diskurs keine getrennten Ebenen darstellen, die durch ein separates Medium vermittelt werden müssten, die aber zu keinem abschließenden Ergebnis kommt, wie deren Verhältnis stattdessen zu denken sei. Materiell-diskursive Relationalität stellt uns daher vor das Problem eine Medialität zu denken, die nicht an ein Medium gebunden ist, sowie vor die Frage, wie sich das Materiell-Diskursive selbst als Verhältnis verstehen lässt.
Medialität wird demnach zum immanenten Charakteristikum von Beziehungen. Entsprechend muss auch die Frage nach Mensch-Technik Beziehungen anders gestellt werden. Sie richtet sich nicht länger auf die Möglichkeit einer Vermittlung zwischen Mensch und Technik, welche unabhängig voneinander bestehen, sondern fragt, wie sich Mensch und Technik in und durch Beziehung differenzieren. Damit lässt sich diese Frage auch nicht mehr auf Mensch und Technik begrenzen, sondern richtet sich allgemeiner auf das performative Entstehen von Körpern: menschlichen und nicht-menschlichen, technologischen und organischen, in ihrer je spezifischen Situiertheit.
Nach Barad entsteht diese Situiertheit durch die Ausübung materiell-diskursiver agency. Während diese bei Barad allerdings ein abstrakter Begriff bleibt, schlage ich vor, dass gerade die Analyse spezifischer Formen von agency ermöglicht, performative Differenzierungsprozesse besser zu verstehen. So lässt sich zum Beispiel bei Bildgebungsprozessen eine technologische agency, z.B. Gegenstände im Nanometerbereich erfassen zu können, und eine menschliche agency zur Auswahl von Gegenständen unterscheiden. Das finale Bild wiederum kann nur aus einer Kombination dieser agencies entstehen und bringt so Mensch und Technologie als getrennt und verbunden hervor.
Medialität zeigt sich also mit Barad nicht nur als Verbindendes, sondern als Verbindendes und Trennendes – auf den Begriff gebracht zwischen Grenzziehungspraktiken und „Intra-aktion“ – das sich in materiell-diskursiven Handlungen abspielt. Ein solches Verständnis von Medialität erlaubt dann einen Bezug zur Postphenomenologie, indem spezifisch menschliche Erfahrung nicht als gegeben, sondern selbst als Grenzziehungspraktik verstanden wird. Umgekehrt stellt die Postphenomenologie einen möglichen Ansatzpunkt dar, um über das interne Verhältnis des Materiell-Diskursiven nachzudenken. Beide Aspekte würde ich gerne ausgehend von hier skizzierten Impuls im Rahmen des Workshops diskutieren.
Während Barad im obigen Zitat, über Medialität eher hinwegfegt, als sich ihr als Problem zu stellen, schlage ich vor, dass das Verhältnis von Medialität und Materialität zu den zentralen und offenen Fragen des Agentiellen Realismus zählt. Das zeigt sich vor allem in Barads Verknüpfung von „materiell-diskursiv“. Dieser Zusammenzug, der in Barad theoretisch uneindeutig bis hin zu widersprüchlich bleibt, verdeutlicht, dass Barad nicht, wie z.B. von Christopher N. Gamble et.al. oder Rebecca Schneider argumentieren, alles als Materie betrachtet. Vielmehr bleibt eine Unklarheit bestehen, die zwar davon ausgeht, dass Materie und Diskurs keine getrennten Ebenen darstellen, die durch ein separates Medium vermittelt werden müssten, die aber zu keinem abschließenden Ergebnis kommt, wie deren Verhältnis stattdessen zu denken sei. Materiell-diskursive Relationalität stellt uns daher vor das Problem eine Medialität zu denken, die nicht an ein Medium gebunden ist, sowie vor die Frage, wie sich das Materiell-Diskursive selbst als Verhältnis verstehen lässt.
Medialität wird demnach zum immanenten Charakteristikum von Beziehungen. Entsprechend muss auch die Frage nach Mensch-Technik Beziehungen anders gestellt werden. Sie richtet sich nicht länger auf die Möglichkeit einer Vermittlung zwischen Mensch und Technik, welche unabhängig voneinander bestehen, sondern fragt, wie sich Mensch und Technik in und durch Beziehung differenzieren. Damit lässt sich diese Frage auch nicht mehr auf Mensch und Technik begrenzen, sondern richtet sich allgemeiner auf das performative Entstehen von Körpern: menschlichen und nicht-menschlichen, technologischen und organischen, in ihrer je spezifischen Situiertheit.
Nach Barad entsteht diese Situiertheit durch die Ausübung materiell-diskursiver agency. Während diese bei Barad allerdings ein abstrakter Begriff bleibt, schlage ich vor, dass gerade die Analyse spezifischer Formen von agency ermöglicht, performative Differenzierungsprozesse besser zu verstehen. So lässt sich zum Beispiel bei Bildgebungsprozessen eine technologische agency, z.B. Gegenstände im Nanometerbereich erfassen zu können, und eine menschliche agency zur Auswahl von Gegenständen unterscheiden. Das finale Bild wiederum kann nur aus einer Kombination dieser agencies entstehen und bringt so Mensch und Technologie als getrennt und verbunden hervor.
Medialität zeigt sich also mit Barad nicht nur als Verbindendes, sondern als Verbindendes und Trennendes – auf den Begriff gebracht zwischen Grenzziehungspraktiken und „Intra-aktion“ – das sich in materiell-diskursiven Handlungen abspielt. Ein solches Verständnis von Medialität erlaubt dann einen Bezug zur Postphenomenologie, indem spezifisch menschliche Erfahrung nicht als gegeben, sondern selbst als Grenzziehungspraktik verstanden wird. Umgekehrt stellt die Postphenomenologie einen möglichen Ansatzpunkt dar, um über das interne Verhältnis des Materiell-Diskursiven nachzudenken. Beide Aspekte würde ich gerne ausgehend von hier skizzierten Impuls im Rahmen des Workshops diskutieren.
| Translated title of the contribution | Material-Discoursive Mediality without a Medium: Sketch on Mediality in Agential Realism |
|---|---|
| Original language | German |
| Publication status | Published - 24 Oct 2025 |
| Event | Kritisch-posthumanistische Medienphilosophie. Medialität - Materialität - Körper - Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Germany Duration: 24 Oct 2025 → 25 Oct 2025 |
Conference
| Conference | Kritisch-posthumanistische Medienphilosophie. Medialität - Materialität - Körper |
|---|---|
| Country/Territory | Germany |
| City | Bochum |
| Period | 24/10/25 → 25/10/25 |
Keywords
- Mediality
- Material-Discoursive
- Posthumanism