Description
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Aachener Nachrichten
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Donnerstag 13. Oktober 2016
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AUS ALLER WELT; S. 5
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647 Wörter
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| Krebsgefahr im Kunstrasen?; Die niederländischen Behörden lassen viele Fußballfelder auf mögliche Gesundheitsbelastungen untersuchen. Das wirft auch in Deutschland Fragen auf. Ein Hersteller aus Grefrath versucht zu beruhigen. |
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Von Tobias Klingen Kreis Viersen. Bei Friedemann Söll stand das Telefon gestern nicht still. Beim Kunstrasenhersteller Polytan ist Söll zuständig für Produktion und Entwicklung und als solcher auch Ansprechpartner, wenn mit dem verbauten Material möglicherweise etwas nicht stimmt. Und ob mit dem Polytan-Material alles in Ordnung ist, wollten gestern viele Kunden und Journalisten wissen. Grund dafür ist eine Meldung aus den Niederlanden. Die holländischen Behörden lassen viele Fußballfelder aus Kunstrasen auf mögliche Gesundheitsgefahren untersuchen. Das teilte das nationale Institut für Umwelt und Gesundheit mit. Anlass waren Warnungen von Wissenschaftlern im niederländischen TV, dass das Kunststoffgranulat auf den Feldern möglicherweise krebserregende Stoffe enthalte. Konkret geht es dabei um Gummi-Granulat, das aus Altreifen gewonnen wird. Alles eine Frage des Preises »In Deutschland ist die Situation anders als in Holland«, sagt Polytan-Mitarbeiter Söll. Hierzulande würden die Plätze im Vergleich zu den Niederlanden nur mit einem Drittel der Menge an Granulat verfüllt. »In Deutschland setzen wir bei einem Großteil der Plätze auf einen elastischen Unterbau. Daher braucht man zum Ausgleich wesentlich weniger Granulatkörner an der Oberfläche«, so Söll. In Holland setze man eher auf die kostengünstigere Variante: weniger Unterbau, mehr Granulat. Hinzu kommt laut Söll die Beschaffenheit des Materials. Die süddeutsche Firma Polytan mit Produktions- und Entwicklungsstätte im niederrheinischen Grefrath biete ihren Kunden überwiegend Granulat aus eigener Herstellung. »Wir empfehlen immer neues Granulat«, so Söll. Granulat, das beim Recycling von Altreifen gewonnen wird, werde »immer seltener« genutzt. Sollte es so sein, werde dies meist aus Kostengründen gemacht. »Das liegt dann am Kunden. Wenn wir Material aus Altreifen verwenden, stellen wir aber sicher, dass es nicht gesundheitsgefährdend ist«, sagt Söll. Dies sei auch in Holland so, wo Polytan als einer der weltweiten Marktführer ebenfalls Plätze baut. »Auf unseren Anlagen besteht keine Gefahr«, sagt er. So soll es auch in Mönchengladbach sein. Die Borussia verfügt als einer der wenigen Vereine in NRW über einen Trainingsplatz aus Kunstrasen, der mit Altreifen-Granulat verfüllt ist. »Der Hersteller Polytan hat uns versichert, dass eine Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen ist«, heißt es vom Bundesligisten. Auch in den Niederlanden möchten die Behörden keine Panik schüren. Spielabsagen, die es bei Amateurvereinen dutzendweise gegeben hat, sind aus Sicht des nationalen Instituts für Umwelt und Gesundheit nicht notwendig. Es gibt nur die Empfehlung, nach der Nutzung eines Platzes mit Altreifen-Granulat zu duschen. Ergebnisse der Untersuchungen in den Niederlanden sollen in einigen Wochen vorliegen. Das deutsche Umweltbundesamt kennt das Problem und verweist auf eine EU-Verordnung, die Ende vergangenen Jahres in Kraft trat. Die EU legte damit die Grenzwerte für zugängliche Kunststoff- oder Gummiteile von Erzeugnissen fest: Produkte mit einem Gehalt von mehr als einem Milligramm sogenannten Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) pro Kilo sind seitdem verboten. Martin van den Berg, Toxikologe der Universität Utrecht, hält zehn Jahre alte niederländische Untersuchungen, nach denen die Belastung durch PAK auf den Feldern unbedenklich sei, für überholt. »Wenn man sich die Konzentrationen heute anschaut, dann liegen die deutlich über der Norm: Zehn bis hundert Mal zu hoch«, sagte er im niederländischen Fernsehen. Nach einer Anfrage beim in NRW zuständigen Ministerium für Arbeit und Soziales zu etwaigen neuen Untersuchungen auch in NRW gab es bis gestern Abend keine Stellungnahme. »In Deutschland ist die Situation anders als in Holland.« Friedemann Söll vom Kunstrasenhersteller Polytan |
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13. Oktober 2016
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| Period | 13 Oct 2016 |
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Media coverage
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Title Krebsgefahr im Kunstrasen? Die niederländischen Behörden lassen viele Fußballfelder auf mögliche Gesundheitsbelastungen untersuchen. Das wirft auch in Deutschland Fragen auf. Ein Hersteller aus Grefrath versucht zu beruhigen. Date 13/10/16 Persons Martin van den Berg